1867 promovierte erstmals eine Frau an der medizinischen Fakultät der Universität Zürich. Heute sind die Studierenden an den Universitäten über alle Fakultäten hinweg zu 50 % weiblich. Der Frauenanteil bei den Staatsexamen in Medizin beträgt derzeit 61,5 %, Tendenz steigend. Dass aber gleichzeitig nur 9,9 % der Chefarztpositionen von Frauen besetzt sind, lässt sich damit erklären, dass Frauen weniger bereit sind, für Karriereziele jedes Mittel einzusetzen. Sie nehmen eher in Kauf, zu Gunsten anderer Lebensziele auf eine Karriere zu verzichten und beanspruchen überdurchschnittlich oft alternative Arbeitszeitmodelle.
Unsere intellektuelle Elite wird also bald einmal von Frauen dominiert. Das bedeutet, dass sich unsere erfolgsorientierte Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung in den Fundamenten ändern wird. Erfolg um jeden Preis ist nicht mehr legitim. Der Wettbewerb unter Kollegen als Karrieremotor hat ausgedient. Risiko ist zu vermeiden.
So bekommt auch der Spruch „Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin" eine ganz neue, realistische Dimension. Im Gegenzug wird die geplante und institutionalisierte Kommunikation stark an Bedeutung gewinnen.
Nun, Evolution und Geschichte lehren uns, dass die Menschheit sowohl die weiblichen wie auch die männlichen Eigenschaften in einer ausgewogenen Balance braucht. Problematisch wird es immer dann, wenn die eine oder andere Grundhaltung dominiert. Ohne risikobereite Innovatoren und ohne Wettbewerb gibt es keinen Fortschritt. Zu viel Risiko- und Kampfbereitschaft führen jedoch früher oder später zum Kollaps und vernichten wertvolle Ressourcen.