Papier ist bekanntlich geduldig. Unabhängiger, fairer Journalismus wird zwar in allen Statuten der Berufsverbände postuliert, praktiziert wird er jedoch immer weniger und kontrolliert schon gar nicht. Unabhängigkeit muss man sich ja auch leisten können. Je knapper das Redaktionsbudget, umso schlechter ausgebildet (sind) die Journalisten und umso grösser (ist) die Versuchung den verbliebenen Werbeauftraggebern gefällig zu sein. Bei Fachzeitschriften ist dies eher die Regel als die Ausnahme. Zum Beispiel kann es sich kaum eine Medizinfachzeitschrift leisten, das Geschäftsgebaren eines grossen Pharmaunternehmens im redaktionellen Teil der Zeitschrift zu hinterfragen. Ziemlich offensichtlich ist das bei jenen Blättern, bei denen Chefredaktor und Verlagsleiter in Personalunion fungieren. Viel bedenklicher ist jedoch, dass auch andere, traditionelle Medien wie Tageszeitungen ihre bislang hohe Glaubwürdigkeit mit einem gefälligen, unprofessionellen Journalismus aufs Spiel setzen.