Mit Vorteil weiblich?

Frauen und Männer sind verschieden. Ich widerstehe hier der Versuchung, die primären, reizvollen Unterschiede zu beschreiben. Denn es sind die ebenso typisch weiblichen, aber weniger augen­fälligen Attribute, die unsere Zukunft verändern werden. Vielleicht erkläre ich das mal am Beispiel eines fiktiven Stammes irgendwo im Amazonas-Urwald. Die Männer sind Jäger und Krieger. Um erfolgreich zu sein, braucht es starke hierarchische Strukturen. In der Hitze des Gefechtes sind tiefschürfende Diskussionen über die geeignetste Jagd- oder Kriegsstrategie nicht hilfreich. Es braucht einen Anführer der befielt und Männer, die das Risiko einer Verletzung oder gar des Todes in Kauf nehmen. Nur so können Jäger und Krieger erfolgreich sein. Die Frauen bleiben derweil im Dorf, kümmern sich um den Nachwuchs und sammeln Nahrung. Innerhalb dieser Gruppen braucht es starke soziale Bindungen. Die Frauen helfen sich gegenseitig und koordinieren Ihre Arbeit. Zum Aufbau und Erhalt dieses sozialen Netzwerks braucht es viel Kommunikation. Das Risiko von Verletzung oder Tod ist in der weiblichen Gemeinschaft unbedingt zu vermeiden, denn das würde das Fortbestehen
des Dorfes gefährden. Schon unsere Höhlen bewohnenden Vorfahren lebten in ähnlichen Gemeinschaften. Zwar haben wir in den vergangenen 3000 Jahren Höhlen durch Häuser ersetzt, aber im Grunde funktionieren Männer und Frauen immer noch nach dem gleichen Prinzip. Männer sind auch heute noch bereit, Risiken in Kauf zu nehmen (UBS) und Frauen kommunizieren (Internet-Chat), um ihr soziales Netzwerk auszubauen und um ihr Beziehungsumfeld zu harmonisieren. Anfang des 20. Jahrhunderts kämpften die Suffragetten für die Rechte der Frauen. Rund 110 Jahre später sind die Frauen dabei, in vielen Bereichen das Zepter zu übernehmen. Wenn heute die Schweiz und Deutschland auf höchster Ebene verhandeln, so treffen sich die Bundespräsidentin und die Bundeskanzlerin. Zwei Frauen korrigieren das, was vorher ihre männlichen Kollegen mit der Kavallerie- und Indianerdiskussion in die Sackgasse manövriert haben.


 
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